Author: xertifix

Derzeit unterziehen wir unseren XertifiX Standard einer Revision, die alle 5 Jahre stattfindet. Die Kriterien des XertifiX Standard stellen die Grundlage für die Audits in Steinbrüchen und Fabriken und die Zertifizierung dar.

Die Revision bedeutet eine Aktualisierung der Standard-Kriterien, basierend auf unseren Erfahrungen der letzten 5 Jahre – aber auch basierend auf den Inputs, die wir von unterschiedlichen Anspruchsgruppen („Stakeholdern“) zu diesem Thema erhalten. Eine Arbeitsgruppe hat in den vergangenen Wochen den XertifiX-Standard überarbeitet und Vorschläge zur Verbesserung eingearbeitet. Diese Verbesserungsvorschläge sind auch dem Umstand geschuldet, dass sich die externen Anforderungen an Siegel (z.B. durch die Bundesregierung) in den letzten Jahren erheblich erhöht haben. [Siehe…]

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Am 12.06.2017 ist das Buch „Kleine Hände – Großer Profit“ von Benjamin Pütter erschienen. Die Darstellung der Arbeit von XertifiX in dem Buch macht es erforderlich, erläuternde Anmerkungen zu geben:

Es ist das große Verdienst von Pütter, dass er XertifiX initiiert und mit anderen gegründet hat. Als langjähriger ehrenamtlicher Geschäftsführer hat er unglaublich viel bewirkt und wesentlich dazu beigetragen, dass das Thema Kinderarbeit in der Natursteinindustrie in der deutschen Öffentlichkeit bekannt wurde. Durch den Einsatz von XertifiX in den ersten Jahren wurde gerade die Kinderarbeit in der indischen Natursteinindustrie signifikant bekämpft.

Mit dem Wechsel von Geschäftsführer und erster Vorsitzenden und den gewandelten Anforderungen an Siegel hat sich aber bei XertifiX auch ein Verständniswandel dahingehend vollzogen, dass es nicht ausreicht, ein Siegel auszustellen, in dem es zwar keine Kinderarbeit gibt, aber unmenschliche Arbeitsbedingungen wo z. B.

  • die erwachsenen ArbeiterInnen sieben Tage ohne Pause arbeiten müssen,
  • Arbeitssicherheit nicht beachtet wird, so dass es regelmäßig Verletzungen, lebensgefährliche oder tödliche Arbeitsunfälle gibt,
  • die ArbeiterInnen keine persönliche Schutzausrüstung bekommen, so dass sie langfristig taub werden oder an Staublunge frühzeitig sterben
  • grundlegende Umweltschutzmaßnahmen missachtet werden.

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Gemeinsame Presseerklärung
der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
und des Vereins XertifiX

Hannover / Frankfurt am Main – Anlässlich des Tags gegen Kinderarbeit wollen wir auf die großen Erfolge im Kampf gegen Kinderarbeit hinweisen. Als XertifiX gemeinsam mit der IG BAU im Jahr 2005 gegründet wurde, war die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen der Schwerpunkt unserer Arbeit. Durch die Kontrollen in indischen Steinbrüchen – gerade auch unangekündigte – hat XertifiX erreicht, dass in den durch XertifiX kontrollierten Steinbrüchen und Fabriken über die Jahre immer weniger Kinderarbeiter vorgefunden wurden und heute dort keine Kinder mehr arbeiten.

Ab 2012 haben wir den Schwerpunkt unserer Arbeit auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Erwachsenen gelegt, seit 2014 auch in China und Vietnam. Auch dort wurden in den letzten Jahren keine Kinderarbeiter in der Naturstein-Industrie nachgewiesen. „Heute sind die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen der erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen im Fokus. Wer heute Grabsteine, Pflastersteine oder Küchenplatten kauft, ahnt nicht, dass sie meist auf Kosten der Gesundheit der asiatischen Arbeiterinnen und Arbeiter hergestellt wurden,“ so die XertifiX-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock, „es sei denn, verlässliche Zertifikate sichern menschenwürdige Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne der ArbeiterInnen ab. Das ist die Arbeit von XertifiX“.

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Heute berichtet WDR Servicezeit über nachhaltige Natursteine.
„Natursteine im Garten sind sehr beliebt. Doch kaum ein Käufer weiß, unter welchen dramatischen Bedingungen das Material im Ausland abgebaut wird. Zertifizierungen und verschärfte Kontrollen sollen für einen nachhaltigen Import sorgen.“ (aus der Ankündigung)

Sendezeit: 18.05.2017, 18.15 bis 18.45 im WDR

siehe: WDR Servicezeit

Direktlink (bis 18.05.2018): Natursteine – auf nachhaltigen Import achten

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Der SZ-Autor Björn Stephan erhält den Axel Springer Preis
für seine Reportage über Kinderarbeit in der indischen Grabsteinindustrie

2015-12-04 Granitsteinbruch

In der Reportage hat Björn Stephan gemeinsam mit Benjamin Pütter nachgewiesen, dass indische Kinder für die Produktion von Grabsteinen arbeiten müssen. Dabei handelt es sich um Grabsteine, die nachweislich auf deutschen Friedhöfen gelandet sind. Dieses Faktum der Kinderarbeit für indische Grabsteine, die auch im deutschen Markt zu finden sein können, wird von der hiesigen Industrie kontinuierlich bestritten.

Dabei hat erst vor kurzem hat die Landesregierung NRW eine wissenschaftliche Studie zum Thema veröffentlicht, in der es unter anderem heißt: „Ausgehend von den gesetzlichen Formulierungen im BestG NRW muss festgestellt werden, dass in Indien „bei der Herstellung von Naturstein“ weiterhin von der Existenz schlimmster Formen von Kinderarbeit ausgegangen werden muss…“

Wir gratulieren Björn Stephan für den Preis sehr herzlich!

Siehe: Axel Springer Preis

Siehe SZ-Beitrag Die Kindergräber

Neue wissenschaftliche Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums NRW

2015-12-04 GranitsteinbruchDie Studie stellt eindeutig klar, dass in Indien auch im Natursteinsektor von schlimmsten Formen der Kinderarbeit ausgegangen werden muss. Dies gilt auch für die Länder Vietnam und Philippinen. Für China gilt, dass in verschiedenen Wirtschaftssektoren Kinderarbeit belegt ist. Es werden zudem große Mengen Naturstein aus Indien nach China importiert und dann – gegebenenfalls weiterverarbeitet – nach Deutschland exportiert. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil der aus China eingekauften Natursteine ursprünglich aus Indien stammt.

Aus der Indien-Studie:
„Ausgehend von den gesetzlichen Formulierungen im BestG NRW muss festgestellt werden, dass in Indien „bei der Herstellung von Naturstein“ weiterhin von der Existenz schlimmster Formen von Kinderarbeit ausgegangen werden muss – auch wenn dies für einen Teil der Produktion (Granite aus hochmodernisierten Unternehmen), der mengenmäßig für den Export nach Deutschland erhebliche Bedeutung hat, nicht wahrscheinlich ist. Eine präzise Abgrenzung der Produktionsorte von Natursteinen, die für den Export bestimmt werden, ist jedoch nicht möglich. Darüber hinaus muss davon ausgegangen werden, dass die Beschäftigung von Kindern in der unmittelbaren Produktion des modernisierten Sektors zwar unwahrscheinlich ist, ihre Beschäftigung in der Weiterverarbeitung von Abfallprodukten jedoch bei vielen Betrieben zum ökonomischen System gehört. Neben der nachweisbaren Existenz von Kinderarbeit in ihren schlimmsten Formen in indischen Steinbrüchen ist auch eine unzureichende politische Bekämpfung dieser Kinderarbeit zu konstatieren.

Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, die Aufstellung von Grabmälern bzw. Grabeinfassungen aus Natursteinen aus Indien nur zuzulassen, wenn schlimmste Formen von Kinderarbeit bei der Herstellung dieser Natursteine durch eine entsprechende Zertifizierung ausgeschlossen werden. Eine solche Zertifizierung hätte auch entwicklungspolitisch positive Wirkungen: Sie würde es den modernen Unternehmen, die an einer Einhaltung von Arbeitsnormen grundsätzlich interessiert sind, ermöglichen, sich von den „schwarzen Schafen“ der Branche abzusetzen. Eine Zertifizierung würde ferner Anreize zur grundsätzlichen Vermeidung von Kinderarbeit in den Teilen der Branche schaffen, die bislang noch gar nicht für den Export produzieren, aber das Interesse haben, sich entsprechende Märkte zu erschließen. Eine Zertifizierung sollte nicht nur die Primärproblematik – schlimmste Formen von Kinderarbeit im engeren Produktionsprozess – in den Blick nehmen, sondern ebenso sekundäre Dimensionen berücksichtigen (Notwendigkeit von Kinderarbeit im Umfeld von Steinbrüchen / Minen aufgrund ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse für die erwachsene Arbeiterschaft, inklusive z.B. Schuldknechtschaft für ganze Familien).“ (Eberlei / Schröder 2016, 2 f.)

Siehe: Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA):

Bericht über importierte Natursteine bei Frontal 21

ZDF, Quelle anonym


„Mehr als eine Million Tonnen Granitsteine exportiert China jährlich nach Deutschland. Diese werden sehr günstig unter anderem in Baumärkten verkauft, beispielsweise als Pflastersteine, Wandverkleidungen oder Küchenplatten. Doch kaum ein Käufer weiß, dass die Granitsteine oft unter gesundheitsschädlichen, teilweise sogar lebensgefährlichen Bedingungen hergestellt werden. Das belegen Kontrollberichte und Bilder aus chinesischen Steinbrüchen und Verarbeitungsbetrieben, die Frontal 21 zugespielt wurden und nun erstmals veröffentlicht werden. Doch in Deutschland geht bisher nur eine der sechs großen Baumarktketten, toom, aktiv gegen solche Verstöße der internationalen Arbeitsschutzpflichten vor. […]“ (Auszug aus der ZDF-Ankündigung des Beitrags)

Sendetermin: Dienstag, den 14. März 2017, 21:00 Uhr

Der Bericht ist bis zum 17.03.2018 in der ZDF-Mediathek verfügbar.

 
Siehe: Billiggranit aus dem Baumarkt

XertifiX und toom ziehen an einem Strang

Als erste Baumarktkette in Deutschland hat toom Baumarkt Natursteine von XertifiX zertifizieren lassen. Wir freuen uns, dass damit Verbraucherinnen und Verbraucher deutschlandweit die Möglichkeit haben, nun auch in Baumärkten zertifizierte Natursteine einkaufen können. Wer die Garageneinfahrt, die Terrasse oder Gartenwege guten Gewissens mit Naturstein pflastern will, jetzt hat er/sie die Wahl!

Ein längerer Prozess ging der Zertifizierung voraus: ab 2014 wurde ein Kontrollsystems in China aufgebaut, Produktionsstätten wurden ausgewählt. 2016 konnte aus diesen Lieferketten der erste Lieferant mit dem XertifiX PLUS Siegel versehen werden. Das PLUS-Siegel wird erst dann vergeben, wenn die wichtigsten XertifiX Anforderungen und zwei Drittel aller XertifiX-Kriterien erfüllt werden.

Asiatische Produktionsstätten müssen kontrolliert werden, da dort Natursteine häufig unter katastrophalen Bedingungen abgebaut und verarbeitet werden, beispielsweise ohne Sicherheitsschuhe, ohne Schutz für Ohren oder Augen, und am schlimmsten: Es gibt keinen Schutz der Atemwege. Bei der Arbeit im Steinbruch und beim Verarbeiter entsteht ein feiner Staub von Siliziumdioxid. Die Gefahr an Silikose zu erkranken und zu sterben ist groß. „ArbeiterInnen, die diesem Staub permanent ausgesetzt sind, werden irgendwann diese Krankheit bekommen. Das ist mindestens fahrlässige Tötung“, so Ingrid Sehrbrock, Vorsitzende von XertifiX. […weiter]

Siehe auch: Pressemitteilung von toom Baumarkt

Endlich gibt es ein neues Rechtsgutachten, das die Gesetzesänderungen auf EU- und Bundesebene ausreichend berücksichtigt und würdigt. Das Gutachten geht auf die am 18. April 2016 in Kraft getretene Reform des Vergabegesetzes auf Bundesebene ein. Dieses hat das Richtlinienpaket der EU zur Vergabe aus dem Jahr 2014 umgesetzt.

Wichtigste Erkenntisse des Gutachtens:

  1. Es lassen sich soziale und Umweltaspekte bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen ohne Probleme berücksichtigen: Dies kann alternativ auf verschiedenen Ebenen erfolgen:
    • als Leistungsbeschreibung, um z.B. soziale Innovationen abzurufen (s. 34) [es wird im Gutachten darauf verwiesen, dass es in diesem Punkt alternative Rechtsauslegungen gibt]
    • als weicheres Zuschlagskriterium (s. 34)
    • als Ausführungsbedingung, um z.B. die Nichteinhaltung privatvertraglich zu sanktionieren (s. 34)
  2. Daraus folgt, dass es nicht notwendig ist, Eigenerklärungen zu akzeptieren. Im Gegenteil: Es darf der Nachweis eines unabhängigen Dritten explizit verlangt werden.
  3. Es darf konkret ein bestimmtes Güteszeichen als Nachweis verlangt werden, wenn der Auftraggeber alle Anforderungen dieses Gütezeichens akzeptiert.
  4. Die Bundesländer können (auch oberhalb des Schwellenwertes) den Auftraggebern verbindlich vorschreiben, bestimmte soziale Standards zu fordern, allerdings nur auf der Ebene der Leistungsbeschreibung und Auftragsausführung (S. 37f.)


Es ist sehr erfreulich, dass mit dem Gutachten von Dr. Krönke endlich eine neue Lesart des gesetzlichen Gestaltungsspielraums im Bereich der öffentlichen Beschaffung zu finden ist!

Siehe: Rechtsgutachten von Dr. Christoph Krönke

Die Bundesregierung vergleicht auf ihren Internetportalen die Siegel von unterschiedlichen Produktgruppen. Ende 2016 wurde auch die Produktgruppe Natursteine aufgenommen. Wenn ein Siegel die Mindestanforderungen erfüllt, wird in der umfassenden Bewertung ein Katalog von mehreren hundert Kriterien geprüft. Aus der Prüfung dieser Kriterien ergibt sich dann jeweils eine Punktzahl.

Für XertifiX heißt es: „Gute Wahl. Dieses Siegel erfüllt unsere Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit und Soziales.“ Wir freuen uns, dass XertifiX auf Siegelklarheit mit seinen beiden Siegeln so gut abgeschnitten hat und von der Bundesregierung empfohlen wird.

Es ist das große Verdienst der Bundesregierung, viel Arbeit, Geld und Ressourcen darin zu investieren, Verbraucher und Beschaffer über die zahlreichen Siegel zu informieren und durch die Bewertung Klarheit in die Siegelvielfalt zu bringen.

Siehe: Unser XertifiX Standard Label auf Siegelklarheit

Siehe: Unser XertifiX Plus Label auf Siegelklarheit