Schulzentrum bei Daneshwar

Schulprojekt der GEW-Stiftung Fair Childhood in Rajasthan
2012.10.27 BP 176

In Rajasthan, einem armen Bundesstaat südlich von Delhi, leben die Menschen in vielen Regionen von der Natursteingewinnung. Eine dieser Regionen ist der Bundi-Distrikt, ca. 200 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Jaipur. Hier haben sich viele Wanderarbeiter mit ihren Familien und Kindern angesiedelt, meist Dalits, Unberührbare. Ihre Kinder sind in den Schulen der angrenzenden Dörfer nicht willkommen. Vielfach verweigern die Behörden diesen Kindern mit fadenscheinigen Argumenten den Schulbesuch. Trotz Verbots vor über 60 Jahren lebt die Kastengesellschaft weiter. Die Folge: Es gibt ein ernstes Dropout-Problem und viele Kinder, die die Schule gar nicht besuchen, sondern mit den Eltern in den Steinbrüchen arbeiten.



2012.09.29 BP 296

An dieser Stelle gilt es, einige Informationen zum maroden indischen Schulsystem anzufügen. Es ist keine Seltenheit, dass dem Fehlen von Kindern in der Schule von staatlicher Seite keineswegs nachgegangen wird. Schulleitung und Lehrer stehen unter keinem Leistungsdruck. Oft erscheinen Lehrer zu spät oder gar nicht zum Unterricht und einziges Kriterium, nach dem eine Lehrkraft bewertet wird ist, ob ihre Schüler das Klassenziel erreichen oder nicht. Da der Job auf dem Spiel steht, sollten nicht alle Kinder versetzt werden, ist die Versetzung der Schüler nicht von deren Leistungen abhängig, sondern wird unter allen Umständen gewährt.

Hauptziel des Projektes ist es, den ausgegrenzten Kindern der Wanderarbeiter den Schulbesuch zu ermöglichen. Durch die Not und das harte Leben im Steinbruch haben die Eltern andere Sorgen, als sich um die Schulbildung ihres Nachwuchses zu kümmern. Zumal auch die meisten Erwachsenen keine Schule besucht haben. Die Bedeutung von Bildung ist ihnen nicht bewusst. Deshalb müssen zunächst die Mütter und Väter sensibilisiert werden. Sie müssen erkennen, dass ihre Kinder Rechte haben – Rechte auf Schutz und Fürsorge, auf gesundheitliche Vorsorge, auf Schulbildung, die letztlich der Familie zugute kommt.

2012.09.29 Walter 083
Maßnahmen und Ziele des Projektes:
• es wird in unmittelbarer Nähe der Steinbrucharbeiter-Siedlung den Kindern der Wanderarbeiter ein Schulangebot gemacht;
• etwa 500 Familien werden sensibilisiert, die Rechte ihrer Kinder anzuerkennen, sie zu unterstützen und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen;
• die ins Projekt einbezogenen Steinbrüche werden zu „kinderarbeitsfreien Zonen“;
• die Kinder der Wanderarbeiter besuchen erstmals eine Schule bzw. werden reintegriert;
• Steinbrucharbeiterinnen und –arbeiter werden über ihre Rechte aufgeklärt und lernen, diese einzufordern;
• der Aufbau gewerkschaftlicher Strukturen ist vorgesehen, um dauerhaft Arbeits- und Lebensbedingungen in den Steinbrüchen zu verbessern.

siehe: GEW-Stiftung Fair Childhood
siehe: E&W Extra zu Fair Childhood