Projekt 1: Schule für Steinbruch-Kinder
Unser Partner, das katholische Hilfswerk
MISEREOR, stellte im Mai diesen Jahres ein 6-Monats-Programm für ein Kinderarbeits-Projekt in Indien vor. Die Aktivitäten in Steinbrüchen in Rajasthan begannen im Juni und wir möchten einen Abriss darüber geben, was bis Ende Juli bereits umgesetzt werden konnte und weiterhin auf den Weg gebracht werden wird.
Das Projekt umfasst das Gebiet um zwei Ortschaften im Raum Kota (Süd-Ost-Rajasthan): Bodhpura und Parana.
Der Initiative liegt die Idee zu Grunde, zunächst für die Etablierung eines Bildungssystems die Zusammenarbeit mit dem Staat anzustreben. Im gesamten Gebiet wurden 150 Kinder erfasst, die bislang keine Schule besuchen und stattdessen in Steinbrüchen arbeiten müssen. Diese Liste wurde im Folgenden den Verantwortlichen der staatlichen Schule vorgelegt. Die Lehrer bestätigten, dass ihnen die Kinder bekannt sind, dass aber keine Unternehmungen angestrengt wurden, um an den verheerenden Verhältnissen etwas zu ändern.
An dieser Stelle gilt es, einige Informationen zum maroden indischen Schulsystem zu liefern. Es ist keine Seltenheit, dass dem Fehlen von Kindern in der Schule von staatlicher Seite keineswegs nachgegangen wird. Schulleitung und Lehrer stehen unter keinerlei Leistungsdruck. Oft erscheinen Lehrer zu spät oder gar nicht zum Unterricht und einziges Kriterium, nach dem eine Lehrkraft bewertet wird ist, ob ihre Schüler das Klassenziel erreichen oder nicht. Da der Job auf dem Spiel steht, sollten nicht alle Kinder versetzt werden, ist die Erreichung des Klassenziels nicht von den Leistungen abhängig, sondern wird vielmehr unter allen Umständen gewährt.
Somit wird durch die Zusammenarbeit von MISEREOR-Partnern mit staatlichen Schulen auch die Verbesserung des indischen Schulsystems angestrebt. Im Gespräch mit den staatlichen Lehrern wird deutlich, dass weder das organisatorische System der Schule, noch das Gebäude hinreichend für einen effektiven Unterricht sind.
In den ersten zwei Monaten der Zusammenarbeit von den staatlichen Lehrern und MISEREOR-Partnern lag der Fokus auf dem Kennenlernen der betroffenen Kinder und dem gemeinsamen Spiel. Die neue Situation, nämlich dass die Kinder der Arbeit im Steinbruch und damit den Eltern fern bleiben ist gewöhnungsbedürftig.
Mittlerweile ist der Bau eines Schulgebäudes geplant. Zunächst wurde angestrebt, dass der Staat sich hierfür einsetzt. Da allerdings keine Finanzierung möglich zu sein scheint und nur ein Beitrag von Baumaterialien und Arbeitskraft durch die Kommunen zugesagt wurde, wird der Aktionsgruppenpartner von MISEREOR den Bau in Kürze durchführen.
Die Präsenz des MISEREOR-Partners schafft Vertrauen unter den Dorfbewohnern und veranlasst eine Veränderung der Haltung der Menschen vor Ort gegenüber den staatlichen Schulen. Diejenigen Eltern, die bisher keinen Sinn im Schulbesuch ihrer Kinder sahen (aber eine Notwendigkeit in der Mithilfe im Steinbruch) konnten davon überzeugt werden, dass Schuldbildung nicht nur die bessere Alternative zum Steineklopfen ist, sondern sogar notwendig, um ihren Kindern bessere Zukunftsmöglichkeiten bieten zu können.
Neben der Aktion in diesem bestimmten Gebiet stellte die Misereor-Gruppe außerdem Kontakt zum staatlichen "Child Labour School Department" her und erhielt die Erlaubnis, in 39 Schulen in Rajasthan die (Weiter-)Bildung von Lehrern zu übernehmen. Ein Beitrag zur Verbesserung des Schulsystems in Rajasthan.
(Stand Oktober 2008)