Entstehung

Ende der 90er Jahre überschwemmten mehr und mehr Granitrohblöcke und fertige Grabsteine aus Indien den deutschen Markt. Großunternehmer rollten den Markt mit ihren Billigimporten zu Dumpingpreisen regelrecht auf. Kleinen und mittelständigen (Steinmetzen) blieb oft nur die Alternative Konkurs anzumelden oder selber in die Globalisierung (Importe aus Indien) einzusteigen. Genau dies versuchten mehrere Steinmetze der Signum-Grabzeichen aus Freiburg (unter anderem mit Jörg Bollin, Michael Storr, Dieter Schindler und Burkhard Krupp), die aber diese Handelsbeziehungen ohne „Schweinereien“ aufziehen wollten.

Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter im Gespräch mit arbeitenden Kindern in einem indischen Steinbruch

So kam es zu einem Kontakt mit Benjamin Pütter, dem Kinderarbeitsexperten von MISEREOR, der vor Ort in Indien nachsehen sollte, ob in den Steinbrüchen in Indien auch keine Kinder- und Sklavenarbeit vorhanden sei. Zur großen Überraschung aller wurden aber in den Exportsteinbrüchen, die unangemeldet besucht wurden, Kinder unter 18 Jahren angetroffen und die Erwachsenen mussten oft Schulden abarbeiten und bekamen keinen oder nur sehr geringen Lohn, der weit unter dem staatlich garantierten Minimumlohn lag.

Mit anderen Worten: Nachdem man jahrzehntelang davon ausgegangen war, dass es in Exportsteinbrüchen wenig zu beanstanden gäbe, konnte man von nun an nicht mehr die Tatsache leugnen, dass es in indischen Exportsteinbrüchen Kinderarbeit gibt! Es entstand die Idee einer Siegelung von Steinen aus Indien, die garantiert ohne Kinder- und Sklavenarbeit hergestellt sind. Im Jahre 2005 wurde dann gemeinsam mit Gewerkschaften, prominenten Persönlichkeiten, Politikern und anderen der Verein XertifiX gegründet.

Seit 2006 kontrolliert XertifiX in indischen Steinbrüchen und Natursteinbetrieben. Dort stellen wir sicher, dass keine ausbeuterische Kinderarbeit oder Sklavenarbeit stattfindet, alle ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten und die Arbeitsbedingungen der erwachsenen Arbeiter schrittweise verbessert werden. Seit 2014 ist XertifiX in China und Vietnam aktiv und lässt auch dort Steinbrüche und Betriebe auf die Einhaltung des XertifiX-Standard kontrollieren. XertifiX hat als erste überhaupt das Thema weltweit bekannt gemacht und sensibilisiert seitdem Verbraucher, Handel und Öffentlichkeit für einen verantwortlichen Einkauf.

Es ist das Motto von XertifiX, dass durch faire Arbeit für Erwachsene und durch gute Schulen und Ausbildung Zukunftschancen für Kinder eröffnet werden. Von Beginn an haben wir daher mit einem deutschen Hilfswerk zur Umsetzung von Sozialprojekten für Kinder zusammengearbeitet. Seit 2013 gibt es den Verein XertifiX Sozialprojekte e.V., der mit indischen Partnern Sozialprojekte durchführt. Das Besondere: Durch die Kontrollen stellen wir vor Ort den Bedarf an Unterstützung fest, mit unseren Partnern von Sozialprojekte e.V. wird dann den Betroffenen direkt geholfen.