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Ausbeuterische Arbeitsbedingungen bei Grabsteinen ausschließen

2015-12-04 GranitsteinbruchHannover / Frankfurt am Main – Anlässlich des Tags gegen Kinderarbeit am 12.06.2016 machen XertifiX und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) auf die fortwährenden Missstände in der indischen Grabstein-Industrie aufmerksam: Eine investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung im Dezember 2015 hat gezeigt, dass noch immer Kinder in indischen (Grab-)Steinbrüchen arbeiten müssen (SZ Magazin 09/2016). Sie sind dort nicht nur ohne jegliche Schutzausrüstung an gesundheitsgefährdenden Arbeitsplätzen eingesetzt, sondern besuchen eben auch keine Schule. „Kinder brauchen Bildung. Nur dann haben sie eine Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich aus der Armutsfalle zu befreien. ‎Wir dürfen deshalb keine Strukturen unterstützen, in denen Kinder als Billiglöhner missbraucht werden“, sagt der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. Ohne gute Bildung verbleibt auch die nächste Generation in Armut. „Wer durch Importe solcher Natursteine Gewinn erwirtschaftet, macht sich am Schicksal und der Gefährdung dieser Kinder mit schuldig“, so die Vorsitzende von XertifiX, Ingrid Sehrbrock. Kinderarbeit bedeutet in diesem Fall kein „notwendiges Zubrot“ für Familien in Armut – wie es manchmal zu hören ist -, sondern die gesundheitliche Schädigung von Kindern und die Perpetuierung von Armut in jeder Generation! [weiter…]

Pressemitteilung: Gemeinsame Presseerklärung der IG Bauen-Agrar-Umwelt und des Vereins XertifiX

Fußgängerzone Saarbrücken, Foto Harald Kreutzer

Für die anstehende Sanierung der Saarbrücker Fußgängerzone hat sich die Stadt selbst verpflichet, nur Natursteine mit Zertifikat zu akzeptieren. Noch sei es offen, für welches Material man sich entscheidet. Aber wenn man Naturstein aus Übersee einkauft, wird man schon bei der Ausschreibung auf die Zertifizierung achten: „Die zu erfüllenden Kriterien werden dabei in den Ausschreibungsunterlagen festgelegt. Die Bieter müssen die Nachweise hinsichtlich der Zertifizierung der verwendeten Materialen erbringen.“ Siehe: Saarbrücker Zeitung

Dieses Vorgehen ist vorbildlich, sofern schon beim Ausschreibungsprozess deutlich kommunziert wird, dass das angebotene Material zertifiziert sein muss und sich alle Bieter entsprechend darauf einstellen können.

Siehe auch:
Ausbeuterische Arbeitsbedingungen in der neuen Saarbrücker Bahnhofstraße ausschließen

Flyer Vernissage S1

Flyer Vernissage S2
                          

Mann am Bohrer2Die Thomson Reuters Foundation berichtet aktuell über die Arbeitsbedingungen in indischen Steinbrüchen und die negativen gesundheitlichen Folgen für die ArbeiterInnen.

Demnach bestätigt auch Thomson Reuters die massive gesundheitliche Belastung für die ArbeiterInnen, die durch die ungeschützte Arbeit im Feinstaub entsteht: Etwa die Hälfte der insgesamt 2 Mio. ArbeiterInnen würde an der Silikosis oder anderen Lungenkrankheiten leiden. Bei nicht wenigen führen diese zum Tod. Da die Krankheit häufig bislang fälschlich als Tuberkulose diagnostiziert wurde, erhielten die Betroffenen auch keine staatliche Entschädigung. XertifiX weist seit Jahren auf diesen Umstand hin und setzt sich mit seinem Standard und den Kontrollen für einen Schutz der ArbeiterInnen ein.

Darüber hinaus stellt auch Thomson Reuters die weit verbreitete Kinderarbeit in dem Sektor fest. Das gilt nicht nur für die Herstellung von Pflaststeinen, sondern auch für die Arbeit im Steinbruch: „In Budhpura village, children as young as six or seven years work in the industry, starting with chiselling cobblestones. Boys start working in the quarries from age 12 or 13, while girls may continue making cobblestones and tiles.“

Siehe: In India’s quarries, workers die to make pretty garden tiles

Pdf: In India’s quarries, workers die to make pretty garden tiles


Am 18. April 2016 ist eine Reform des Vergaberechts in Kraft getreten (Gesetz und Verordnung). Für Aufträge oberhalb des sog. EU-Schwellenwerts wurde damit die Vergabe vereinfacht und modernisiert. Das bezieht sich vor allem auch auf die Berücksichtigung sozialer Aspekte: „Die Möglichkeiten für öffentliche Auftraggeber, strategische Ziele – z. B. umweltbezogene, soziale oder innovative Aspekte – im Rahmen von Vergabeverfahren vorzugeben, werden gestärkt.“

Damit setzt die Bundesregierung drei EU-Vergaberichtlinien von 2014 um, zu denen auch die Richtlinie über die öffentliche Auftragsvergabe (RICHTLINIE 2014/24/EU) gehört.

Siehe: Gesetz zur Modernisierung des Vergaberechts
Siehe: Verordnung zur Modernisierung des Vergaberechts
Siehe auch: Reform des Vergaberechts

Die Süddeutsche Zeitung berichtet im Magazin vom 04. März 2016 (09/2016) von Recherchen, die im Auftrag des katholischen Hilfswerks „Die Sternsinger“ durchgeführt wurden:

Das Ergebnis der investigativen Recherchen, bei denen Benjamin Pütter von einem Journalisten der SZ, Björn Stephan, begleitet wurde: Es wurden Kinderarbeiter in einem südindischen Steinbruch gefunden, in dem Natursteine für Grabsteine abgebaut werden! Und: Die Lieferkette ist aus diesem Steinbruch mit Kinderarbeitern bis zu einem deutschen Grabstein-Betrieb nachvollziehbar! Das ist eine Schande – auch angesichts dessen, dass die Importindustrie wiederholt und immer wieder sogar allein die Möglichkeit bestreitet, dass Kinder in Steinbrüchen an Rohmaterial für Grabsteine arbeiten könnten.
2015-12-04 Granitsteinbruch

Pütter ist damit der weltweit Einzige, der investigativ in südindischen Steinbrüchen recherchiert und Kinderarbeiter in Steinbrüchen für deutsche Grabsteine nachweist – und dies nun schon seit über 10 Jahren.

Für diese Arbeit wird Pütter seit seinen ersten Recherchen von der Industrie und der Fachpresse heftig kritisiert, vor Gericht verklagt und der Lüge bezichtigt. Der Bericht der SZ zeigt das Verdienst von Pütter und die Gefahren, denen er sich wiederholt für die Suche nach Wahrheit aussetzt. Immerhin: Es kann ihm keinerlei Interessenkonflikt vorgeworfen werden – dieses Mal war Pütters Reise gänzlich unabhängig von XertifiX und wurde durch das Hilfswerk „Die Sternsinger“ angestoßen und finanziert.

Für Deutschland bedeuten die neuesten Erkenntnisse:
Es wird Zeit, dass es in Deutschland bundesweit untersagt wird, indische Grabsteine ohne seriöses Zertifikat auf den Friedhöfen aufzustellen. Durch ein Zertifikat wie XertifiX werden nicht nur die Steinbrüche und Natursteinverarbeiter auf Kinderarbeit kontrolliert, sondern es werden auch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne der erwachsenen ArbeiterInnen geprüft.

Siehe: Magazin (09/2016) der Süddeutschen Zeitung (Erscheinungstag: 04. März 2016)

Südindien: 84 Steinbrüche des illegalen Abbaus überführt

Vor einigen Jahren wurde illegaler Natursteinabbau in Südindien aufgedeckt (wir berichteten). Die einberufene Untersuchungskommission („The Sagayam Committee“) hat nun einen Abschlussbericht vorgelegt. Demnach wird der unterschlagene Betrag auf rund Rs 65.154,60 crore geschätzt. In Euro umgerechnet sind dies bei aktuellem Wechselkurs schier unfassbare rund 9 Mrd. Euro (1 crore Rupie = 10.000.000 Rupien). Der Bericht umfasst 624 Seiten mit 31 Bänden Anhang.

Siehe: The New Indian Express

Am 01. Dezember 2015 hat das Bayerische Kabinett einen Gesetzentwurf zum Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit gebilligt. Friedhofsbetreibern in Bayern wird demnach ein Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit ermöglicht. Dabei werden auch Vorgaben des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 16. Oktober 2013) berücksichtigt, indem grundlegende Anforderungen an Nachweise geregelt werden.

Gesundheitsministerin Melanie Huml hierzu: „Bürger, Steinmetze und Friedhofsbetreiber können mit dieser Regelung einfach und anhand objektiver Kriterien erkennen, ob ein Zertifikat ausreicht und daher anerkannt wird.“

Siehe: Bayerischer Rechts- und Verwaltungsreport

Arbeitnehmerflügel beschließt neues Grundsatzprogramm am 08.11.15 in Berlin

CDA-Bundestagung: I. Sehrbrock und K. Töpfer

CDA-Bundestagung: I. Sehrbrock und K. Töpfer

Darin heißt es unter anderem: Der Einsatz für menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit muss im Zentrum der Politik stehen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Freiheit zu Gewerkschaftsarbeit und -betätigung. Ebenso muss die ILO aufgewertet und mit Sanktionmsmechanismen ausgestattet werden. Internationale Unternehmen haben Verantwortung für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards in der gesamten Lieferkette wahrzunehmen. Transparenz über die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten ist hierzu ein wichtiger Beitrag.

Siehe: „Der Mensch ist wichtiger als die Sache“, Berlin 2015

Grabsteine SMALLWer in diesen Tagen über einen herbstlichen Friedhof spaziert, der läuft dabei auch an einer Menge offener Fragen vorbei. Denn viele Grabsteine kommen nicht mehr aus heimischen Steinbrüchen, sondern aus Indien oder China. Woher genau aus diesen Ländern die Steine stammen, das lässt sich nicht in jedem Fall genau sagen, auch nicht, unter welchen Bedingungen sie aus dem Steinbruch gebrochen und bearbeitet wurden. Dabei gibt es Organisationen, die die Produktionsbedingungen prüfen. [weiter…]